Bluesky: Was Sie über die gehypte Twitter-Alternative wissen müssen
Was ist Bluesky?
Bluesky Social ist ein neuer Microblogging-Client, der ähnlich aussieht und funktioniert wie Twitter. Mit der App sollen Nutzerinnen und Nutzer das Protokoll ausprobieren können, das das Unternehmen für das dezentrale Aufbauen von Netzwerken im Internet entwickelt hat. Dieses Protokoll ermöglicht den Austausch von Inhalten über verschiedene Online-Dienste hinweg.
Wie funktioniert die Bluesky-Technologie?
Die Bluesky-Technologie basiert auf dem “Authentical Transfer Protocol” (AT-Protokoll), das ein Standardformat für Identität, Follower und Daten in sozialen Medien erstellt. Nutzerinnen und Nutzer können damit auch zu anderen Netzwerken wechseln. Das Ziel von Bluesky Social ist es, dezentral betrieben zu werden, ähnlich wie beim “Activity Pub Protocol” von Eugen Rochkos Netzwerk Mastodon. Im Gegensatz zu zentralisierten Diensten wie Twitter oder TikTok können sich Nutzerinnen und Nutzer bei dezentralen Plattformen über viele kleine Server registrieren. Die Betreiber dieser Server legen ihre eigenen Regeln fest. Bluesky plant außerdem, keinen zentralen Algorithmus zur Anzeige von Inhalten zu verwenden. Stattdessen sollen die Nutzerinnen und Nutzer selbst über die Algorithmen entscheiden können, die sie nutzen möchten.
Wer kann Bluesky nutzen?
Obwohl die Bluesky-App bereits in den Stores von Apple und Google heruntergeladen werden kann, befindet sie sich noch in einem Beta-Status. Um Bluesky nutzen zu können, benötigt man derzeit einen Einladungscode für Tester. Interessierte können sich entweder auf die Warteliste setzen lassen oder von jemandem, der bereits Bluesky nutzt, einmal pro Woche einen Einladungscode erhalten. Es ist noch nicht bekannt, wann die App für alle geöffnet wird. Im April 2023 waren bereits rund 50.000 Nutzerinnen und Nutzer freigeschaltet, im September erreichte Bluesky die Marke von einer Million User. In den USA haben sich zunächst viele Prominente, Politiker und Personen aus der Start-up-Szene angemeldet. Auch in Deutschland gab es öffentlichkeitswirksame Umzüge zu Bluesky, nachdem Twitter-Eigner Elon Musk einen umstrittenen Tweet geteilt hatte, der zur Wahl der AfD aufrief.
Wie funktioniert die Bluesky-App?
Laut dem Tech-Magazin “Techcrunch” ähnelt das Netzwerk einer “abgespeckten Version von Twitter”. Die Profiloberfläche und die Funktionen sind dem von Twitter sehr ähnlich. Benutzerinnen und Benutzer können sich einen Benutzernamen mit @-Handle erstellen, ein Profilbild und einen Hintergrund auswählen und sehen ihre Follower-Zahlen und gefolgten Accounts. Die Beiträge dürfen eine Länge von bis zu 256 Zeichen haben und können auch Fotos enthalten. Beiträge können über eine Plus-Schaltfläche erstellt werden. Es gibt auch eine Suchfunktion für Accounts und die Möglichkeit, andere Accounts stummzuschalten oder zu blockieren. Wie bei Twitter sind die Profil-Feeds in Posts und Antworten unterteilt, Beiträge können geliket, geteilt und beantwortet werden. In der Kategorie “Entdecken” gibt es einen laufenden Feed mit aktuellen Beiträgen von Bluesky und Vorschlägen, wen man folgen könnte, basierend auf den Beiträgen eines Profils. Bisher bietet Bluesky keine Direktnachrichten oder Videos an und es fehlen einige andere Funktionen, die man von Konkurrenten wie Twitter kennt.
Wer steckt hinter Bluesky?
Bluesky wurde ursprünglich als Projekt von Twitter-Gründer Jack Dorsey ins Leben gerufen, als er noch CEO von Twitter war. Im Jahr 2019 stellte er Bluesky als eine Erweiterung von Twitter vor. Seit 2021 ist Bluesky ein unabhängiges Unternehmen und wurde bis Anfang des vergangenen Jahres von Twitter finanziert. Kurz vor dem Verkauf an Elon Musk hat Twitter den Vertrag beendet. Bluesky ist als “Public Benefit Limited Liability Company” (PBLLC) eingetragen, was bedeutet, dass das Unternehmen einen öffentlichen Nutzen schaffen will und diesen auch nachweisen muss. Die Chefin von Bluesky ist die Software-Expertin Jay Graber. Jack Dorsey ist laut einem Tweet von Bluesky Teil des Verwaltungsrats, ebenso wie Jeremie Miller, der Entwickler des offenen Kommunikationsprotokolls XMPP/Jabber. Dorsey beschrieb Bluesky kurz nach seinem Weggang von Twitter als einen “offenen, dezentralisierten Standard für soziale Medien”. Seiner Meinung nach könnte das AT-Protokoll dazu beitragen, die Macht großer, zentralisierter Plattformen einzuschränken.
Kann Bluesky Twitter den Rang ablaufen?
Der entscheidende Grund für die Nutzung von Bluesky dürfte die dezentrale Struktur und Innovationsoffenheit der Plattform sein. Ansonsten unterscheidet sich das Netzwerk derzeit kaum von Twitter, abgesehen von einigen fehlenden Funktionen. Der Erfolg von Bluesky wird stark von der Community abhängen, die sich gerade erst aufbaut. Wie bei jedem sozialen Medium hängt die Attraktivität von einem Netzwerkeffekt ab. Twitter hat seit der Übernahme durch Elon Musk an Relevanz verloren. Die Bluesky-App könnte vor allem dazu führen, dass auf Basis des AT-Protokolls neue Apps entwickelt werden, die sich in die von Bluesky aufgebaute Netzwerkstruktur einfügen und weitere Nutzer anziehen.
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Das Bild dient nur zur Veranschaulichung und stellt nicht die tatsächliche Situation dar.
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