ARD-Sonntagskrimi “Der München-»Tatort«” im Schnellcheck
#MeToo als Dirndl-Stadl: Braucht es so viele Zoten?
Der ARD-Sonntagskrimi “Der München-»Tatort«” steht wieder einmal im Fokus der Kritik. Dieses Mal geht es um die Frage, ob es bei dem Thema “#MeToo” wirklich so viele derben Scherze braucht. In dem aktuellen Fall ermitteln die Kommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic auf einer Veranstaltung, auf der regionale Produktbotschafterinnen gekrönt werden. Nach dem Mordversuch an einem übergriffigen Landwirtschaftsfunktionär stellt sich heraus, dass dieser sich an einigen der jungen Frauen vergangen hat. Die Frage lautet nun, ob sich die Rächerin unter den Meerrettich-, Zwiebel-, Spargel- und Weißwurstköniginnen befindet.
#MeToo als Dirndl-Stadl: Heiterer Umgang mit einem schwierigen Thema
Die Macher dieses “Tatorts” haben sich dafür entschieden, das schwierige Thema #MeToo betont heiter anzugehen und lassen dabei keine Pointe zu tief ausgeschnittenen Trachtenkleidern aus. So lädt beispielsweise Veronica Ferres in ihrer Rolle als abgefeimte Veranstaltungsmanagerin Kommissar Leitmayr dazu ein, einen tiefen Blick in ihr Dekolleté zu werfen. Diese humorvolle Herangehensweise stößt jedoch bei einigen Kritikern auf Unverständnis.
Cinderella im Dirndl: Disney-Schmelz im Vergewaltigungsdrama?
Besonders kontrovers diskutiert wird eine Szene, in der die Ermittler alle Produktköniginnen den am Tatort gefundenen Schuh der mutmaßlichen Täterin anziehen lassen, um zu sehen, wem er passt. Dies erinnert an den klassischen Cinderella-Mythos, wird jedoch im Kontext eines Vergewaltigungsdramas verwendet. Die Kritiker fragen sich, ob diese Art von Disney-Schmelz angemessen ist.
Heikle Dialoge und transsexuelle Charaktere
Auch der Dialog zwischen Kommissar Leitmayr und der Spargelkönigin, einer transgender Frau, sorgt für Diskussionen. Dabei geht es um deren Affäre mit einem Agrarmanager und den Verdacht, dass dieser versucht, das übergriffige Mordversuchsopfer aus dem Weg zu räumen, um seine Homosexualität nicht öffentlich werden zu lassen. Der Dialog wird von einigen als ungeschickt und unpassend empfunden, da Leitmayr versucht, politisch korrekt zu sein, aber dabei ins Stottern gerät.
Musikalisches Ambiente und Gesamtbewertung
Die Musik des Films, komponiert von LaBrassBanda, passt gut zum ländlichen Ambiente und verleiht dem Film eine besondere Atmosphäre. Die Band hat sogar einen kleinen bierseligen Auftritt auf dem Königinnen-Convent.
Insgesamt erhält dieser “Tatort” eine Bewertung von 5 von 10 Punkten. Trotz der starken Darstellerinnen der Produktköniginnen ist er für das schwierige Thema #MeToo etwas zu derb geraten.
Editorial: Zwischen Humor und Ernsthaftigkeit
Die Diskussion um den aktuellen “Tatort” aus München zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, sensible Themen wie #MeToo im Rahmen einer Krimiserie angemessen zu behandeln. Einerseits ist es wichtig, auf die ernsten Probleme von sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Andererseits möchten die Zuschauer auch unterhalten werden und können durch humorvolle Elemente eine Distanz zum Geschehen gewinnen.
Es stellt sich die Frage, ob eine Krimiserie wie der “Tatort” der geeignete Rahmen für die Behandlung solcher Themen ist. Denn hier gilt es, eine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung zu finden. Es ist eine Gratwanderung, bei der schnell das Gefühl entstehen kann, dass die Thematik nicht ausreichend ernst genommen wird oder dass die humorvollen Elemente unangemessen wirken.
Ratschlag: Sensibilität und Respekt
Für Filmemacher und Drehbuchautoren ist es entscheidend, bei der Darstellung sensibler Themen wie sexueller Gewalt gegen Frauen sensibel und respektvoll vorzugehen. Hierbei sollten die Bedenken und Kritikpunkte der Zuschauer ernst genommen und reflektiert werden.
Es ist wichtig, die Balance zu wahren und den Ernst der Thematik nicht zu verharmlosen. Gleichzeitig kann Humor als Mittel dienen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu erreichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen.
In Zukunft sollten daher Produzenten und Regisseure darauf achten, dass die humorvollen Elemente nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit des Themas gehen. Das bedeutet nicht, dass man keine Scherze machen darf, sondern dass man sie auf angemessene Weise einsetzt.
Es bleibt zu hoffen, dass die Diskussion um den aktuellen “Tatort” dazu beiträgt, ein Bewusstsein für die Feinheiten in der Darstellung sensibler Themen zu schaffen und dass zukünftige Produktionen sensibler und respektvoller mit diesen Themen umgehen.
<< photo by Annie Spratt >>
Das Bild dient nur zur Veranschaulichung und stellt nicht die tatsächliche Situation dar.
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