Die Aufregung um die Jack Dorsey’s Alternative zu Twitter: Bluesky
Eine gebührende Alternative zu Twitter? Elon Musks Verhalten lässt Nutzer seiner Plattform fliehen
In letzter Zeit hat Elon Musk durch sein Verhalten bei den Nutzern seiner Plattform X, ehemals bekannt als Twitter, für Unmut gesorgt. Ob es seine kaum verschleierte Wahlwerbung für die AfD, sein Auftritt an der Südgrenze der USA oder sein ungewöhnlicher Streit mit der Anti-Defamation League ist, die er für den Einbruch der Werbeeinnahmen von X verantwortlich macht, immer mehr Nutzer verlassen Twitter und finden eine neue Heimat auf der Plattform Bluesky, die von Jack Dorsey, einem Mitbegründer von Twitter, vorangetrieben wurde.
Bluesky wurde ursprünglich als Ableger von Twitter gestartet. Jack Dorsey hatte bereits im Jahr 2019 die Zukunft sozialer Netzwerke erforschen wollen. Bluesky erhielt nach eigenen Angaben 13 Millionen Dollar, um ein dezentrales Protokoll zu entwickeln, das auch unabhängig von einem kommerziellen Betreiber bestehen kann. Seit der Übernahme von Musk wurde das Projekt unabhängig und Bluesky ist nun eigenständig. Obwohl Dorsey zwar nicht der Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens ist, sitzt er dennoch im Verwaltungsrat und konkurriert somit mit seiner eigenen Erfindung, Twitter.
Eintritt nur auf Einladung: Schwierigkeiten bei der Mitgliedschaft
Allerdings gestaltet sich der Eintritt in das Alternativnetzwerk nicht einfach. Anmeldungen sind nur auf Einladung möglich. Um gesponsert zu werden, kann man sich entweder in eine Warteliste eintragen lassen oder sich in seinem Freundeskreis umhören, ob jemand bereits bei Bluesky akzeptiert wurde. Die Nutzer erhalten immer wieder “Einladecodes”, die sie an ihre Freunde verteilen können. Diese Strategie ist nicht neu – zum Beispiel ließ die Audio-App “Clubhouse” zu Beginn ebenfalls nur Neuzugänge per Einladung zu. Dies verhindert einerseits, dass die Server überlastet werden, und schafft andererseits eine gewisse Verbundenheit mit dem Netzwerk. Der Zugang zu einem sozialen Netzwerk ist viel einfacher, wenn man bereits einen Nutzer kennt, der als Orientierung dienen kann und Zugang zu den eigenen Freundeskreisen bietet. Darüber hinaus sorgen solche Einladecodes für einen gewissen Hype. Derzeit finden sich leicht dankbare Abnehmer für Einladungen zu Bluesky auf Plattformen wie Kleinanzeigen.de, wo sie bereits ab zehn Euro angeboten werden.
Im Gegensatz dazu versucht “Threads”, Mark Zuckerbergs Twitter-Konkurrent, den Anmeldeprozess sehr einfach zu gestalten. Die Nutzer können sogar ihren Instagram-Login verwenden, was zu Rekordzahlen führte. Ob das Interesse an dem halb fertigen Netzwerk jedoch nachhaltig ist, muss das Unternehmen Meta, zu dem Facebook gehört, noch beweisen.
Ein weiter Weg zur vollständigen Alternative
Im Vergleich zu Twitter ist Bluesky noch weit davon entfernt, eine ernsthafte Konkurrenz zu sein. Mitte September meldete Bluesky zum ersten Mal weltweit eine Million Accounts – Twitter hatte vor der Übernahme von Elon Musk (abhängig von der Zählweise) mehr als 230 Millionen. Zudem fehlen Bluesky noch wichtige Funktionen, die von einem sozialen Netzwerk erwartet werden. Die Bluesky-App bietet bisher nur rudimentäre Bildbearbeitungsfunktionen, und der Austausch von Direktnachrichten zwischen Accounts ist noch nicht möglich. Vor allem fehlt es Bluesky jedoch an Menschen und Institutionen. Obwohl Twitter niemals das größte soziale Netzwerk war, legten Politiker fast aller Länder und Parteien dort Accounts an, um schnell mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Medien verlinkten ihre Artikel auf Twitter, Unternehmen wie Amazon, die Telekom oder die Deutsche Bahn schickten ihre Supportteams auf die Plattform. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Nutzer Schwierigkeiten haben, von Twitter zu einer anderen Plattform zu wechseln. Trotz der umstrittenen Entscheidungen und gebrochenen Versprechen von Elon Musk wurde der schnelle Untergang von Twitter oft vorhergesagt. Zwar gehören vorübergehende Ausfälle mittlerweile zum Alltag, aber die grundlegenden Funktionen für registrierte Accounts funktionieren nach wie vor wie gewohnt. Nur wenige Politiker wie Saskia Esken wagen den Schritt, und selbst die Vorsitzende der SPD hat ihren Account nur “stillgelegt”, aber nicht deaktiviert. Organisationen wie der WWF sind bereits auf Bluesky aktiv, haben ihre Accounts bei Twitter jedoch noch nicht aufgegeben.
Dezentral, aber sauber: Die Bemühungen von Bluesky, den Umstieg zu erleichtern
Der Wechsel von einem sozialen Netzwerk zu einem anderen ist immer mit großem Aufwand verbunden. Man muss nicht nur einen neuen Account erstellen und sich an eine neue App gewöhnen, sondern auch einen neuen Freundeskreis finden. Bluesky versucht dies so weit wie möglich zu vereinfachen. In der iOS-App werden gleich drei Timelines angeboten: eine chronologische Timeline der Accounts, denen man bereits folgt, eine “Discover”-Funktion mit den beliebtesten Inhalten des Netzwerks und eine Timeline “Popular with friends”, die einen Blick auf die besonders beliebten Inhalte im eigenen Freundeskreis bietet. Eines der dezentralen Merkmale von Bluesky ist die Möglichkeit für Entwickler, eigene Rezepte für eine Timeline einzuspeisen. Diese werden in der App derzeit jedoch nicht besonders prominent angezeigt. Es gibt auch externe Tools wie den Fedifinder, mit denen X-Nutzer versuchen können, ihre alte Timeline im neuen Netzwerk nachzubauen.
Bluesky unterscheidet sich optisch deutlich von Mastodon, einem ebenfalls dezentralen Netzwerk, das sich ebenfalls als Alternative zu Twitter etablieren möchte und in der Vergangenheit von Elon Musks Schmähungen profitierte. Mastodon hat jedoch bereits Nachteile gezeigt. Eine Suchfunktion konnte erst nach langem Streit eingeführt werden. Allerdings soll sie nur Inhalte finden können, die dafür freigegeben wurden. Das Betreiben der sogenannten Mastodon-Instanzen und die damit verbundene Moderation der Inhalte erweist sich für viele Freiwillige als zu aufwendige Aufgabe.
Die ungewisse Zukunft von Bluesky
Die Zukunft von Bluesky ist völlig offen. Das Mininetzwerk musste sich bisher keiner großen Herausforderung stellen. Die Investorengelder reichen bisher aus, und als erstes Geschäftsmodell wurde der Verkauf spezieller Domains für den eigenen Bluesky-Account etabliert. Wie sich das Netzwerk in Zukunft finanzieren will und wie es reagieren wird, wenn Falschmeldungen und menschenverachtende Inhalte gepostet werden, muss sich noch erweisen.
Es bleibt abzuwarten, ob Bluesky tatsächlich zu einer ernsthaften Alternative zu Twitter heranwachsen wird. Die aktuellen Nutzerzahlen sind im Vergleich zu Twitter noch nicht beeindruckend, aber die Möglichkeit für Entwickler, eigene Rezepte beizusteuern, könnte zu mehr Vielfalt und Innovation führen. Letztendlich ist es jedoch eine Frage des Nutzerinteresses und der Bereitschaft von Politikern, Medien und Unternehmen, von einer etablierten Plattform zu wechseln.
Derzeit ist Twitter immer noch die dominierende Plattform für den öffentlichen Diskurs. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich die Entwicklungen bei Bluesky und anderen Alternativen gestalten werden und ob die Nutzer weiterhin bereit sind, ihre Gewohnheiten zu ändern und eine neue Plattform zu nutzen.
<< photo by Christian Wiebel >>
Das Bild dient nur zur Veranschaulichung und stellt nicht die tatsächliche Situation dar.
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